Archive for the ‘schwule Identität’ Category

Bürgerliche, Traditionalisten, hetero Sexisten und Maskulinisten …

Montag, Mai 2nd, 2016

Seit Schwule sich um Informationen für Heterosexuelle bemühen, wurde ihnen immer wieder Widerstand entgegengebracht. In der letzten Zeit griffen Heteros sogar zu Kampfmassnahmen aller Art, wie Demos und politischer Bremsung von Bildungsmassnahmen.

(Siehe arcados.com > Dokumente Emanzipation, Repression > 2005 St. Gallen und 2006 Neuenburg, um auf neuere Vorkommnisse hinzuweisen!)

In den „Hirschfeld Lectures“ ist nun ein Bändchen erschienen, von Elisabeth Tuider und Martin Dannecker, mit dem Titel „Das Recht auf Vielfalt“ (*), welches ich als Antwort auf diverse Vokommnisse in Deutschland verstehe.

In den Anfang 2014 begonnenen Debatten um den Bildungsplan in Baden-Württemberg wurde der Versuch der rot-grünen Landesregierung, geschlechtliche und sexuelle Vielfalt als Querschnittsthema im Schulunterricht zu etablieren, zum Ausgangspunkt von homophoben und antifeministischen Angriffen in den Medien und aus der Zivilgesellschaft.“

Die 9. Hirschfeld-Lectures am 17. September 2015 in Düsseldorf wollten genau diese Diskrepanz aufgreifen… Wie könnte eine – als Querschnittsthema angelegte – Sexualpädagogik der Vielfalt funktionieren? Was wären ihre theoretischen Prämissen und methodischen Ansätze?

Der vorliegende Band fragt nach den Mechanismen und Mustern der homophoben und antifeministischen Angriffe und danach, wie die häufig heraufbeschworene Bedrohung durch eine vermeintliche Sexualisierung einzuordnen ist. Sexualerziehung scheint heute zu einer Streitfrage geworden zu sein, einem Feld, auf dem verschiedene politische Interessen ebenso verhandelt werden, wie Fragen gesellschaftlicher Anerkennung gegenüber geschlechtlicher und sexueller Diversität.“

Beiträge von Burkhard Jellonek, Pädagoge, und Publizist über historische Schwulenverfolgung, Elisabeth Tuider, Sozialwissenschaftlerin an der Universität Kassel, sie hat bereits Erfahrung mit „shit-storms“ und Morddrohungen – sie geht auch speziell auf antifeministische Diskurse ein, und Martin Dannecker, Sozialwissenschaftler, der bereits vor Jahren vor „rollbacks“ warnte.

Derzeit, so meine These, können wir die Re-/Normierungen des Sexuellen über die Diskursivierung (1) von sexueller Vielfalt und einer Sexualpädagogik der Vielfalt beobachten.

Insbesondere die hasserfüllte Rede („hate speech“/Butler) ist das Mittel zur Regulierung und Re-/Konfigurierung von Normalität.“ (Tuider)

Ich bin der Ansicht, dass sich Definitionen aus Selbstbestimmungen der Betroffenen ergeben sollten und nicht aus irgendwelchen „politischen Korrektheiten“. Das fing in den 70er Jahren in der Schweiz damit an, dass sich die „Schweizerische Organisation der Homophilen“ in eine der Homosexuellen umbenannte. Die Homosexuellen-Organisationen der öffentlich Auftretenden nannten Schwul- und Lesbischsein ‚beim Namen‘!

Heute ziehen sich Junghomos und Homo-Lobbyisten eher wieder auf „die Liebe“ zurück. Wie LondonJames (*1985) so schön schreibt: „Und wenn sie die normalen Rechte haben wollen, sprich heiraten, heisst es in den Akten schlicht und einfach: verheiratet. Dann braucht es weder ein coming out am Arbeitsplatz oder sonst wo. Man wird nicht blossgestellt.“ (2)

Nebst der „Zurückhaltung“ der Betroffenen wollen aber bestimmte politische Kreise auch wieder zur traditionellen Politik der Angstmacherei zurückkehren. Heute geht das über die Schiene der angeblichen „Sexualisierung“ von Kindern und – wie Peter Winkler in der NZZ kürzlich feststellte – in den USA mit der Angst vor „Transsexuellen“. (3)

Diese Kreise beschränken sich bei weitem nicht auf Klerikale und Religionsgläubige und umfassen auch Frauen aus allen Schichten. Ich glaube, dass diese Ängste auf der Basis der Verfügungsgewalt über die „Früchte der Fortpflanzung“ politisch aktiviert werden können. Wir sehen das auch bei Kindesentziehungen und – Entführungen – nicht nur über Kulturen und Traditionen hinweg. Das Kind ist (möglichst lange natürlich) Eigentum der Familie, oder der Mutter, oder des Vaters. Wir sehen das an Familien, die ihre Kinder in den eigenen Räumen „schulen und ausbilden“ wollen, zum Beispiel nach biblischen Grundsätzen! Witzig daran ist, dass diese Kreise nicht sehen, dass sie selbst das praktizieren, was sie „anderen Religionen“ vorwerfen!

Ängste (Homophobie) schüren ist das eine, aber es gibt auch feindliche Stellungnahmen aus beschränkter Sicht, oder beharrlicher Realitäts-Verweigerung, wie beim Antisemitismus auch. Meinungen sind immer verdächtig, bereits „gefressen“ zu sein, weil sie angeblich ihrem Träger Sicherheit vermitteln sollen, oder seine eigene unbewusste „Betroffenheit“ überdecken müssen.

Ein weiteres Beispiel bildet die sexualpädagogische „Umerziehung“, die mit der Gender-Debatte an die politische Wand projiziert wird. Dabei sollten die Heterosexisten eigentlich wissen, dass ihre „Hetero-Umerziehung“ von Schwulen ja auch nicht funktioniert. Also grosse Verdrängungsleistungen nach allen Seiten. Auch Homosexuelle sind selber davon betroffen, wie ich oben am Beispiel von LondonJames dargelegt habe.

Doch im selben Zeitraum wird medial nicht nur „Sexualisierung“ sondern auch Missbrauch diskursiv mit dem sexualpädagogischen Reden über Sexualität verbunden.“ (Tuider)

Inwiefern sexuelle Minderheiten aber von der Mehrheit missbraucht werden, ist kein abendfüllendes Thema. (Die Diskussion über die Mehrheit habe ich schon 2009 geführt! arcados.ch > Heterosex > Welche Mehrheit?) Die Diskussion dreht sich nur darum, wie die allgemein als herrschend und frauschend eingeschätzten Normen und Mehrheiten (durch selbstverständlichen Missbrauch gegenüber Minderheiten) möglichst vollständig „eingehalten“ werden können. Dabei ist das im wortwörtlichen Sinne eine sich selbst fortpflanzende Doppelmoral/Illusion.

Hasserfüllte Sprache und Postings sind eine Form von Gewalt, ähnlich wie Blicke unter Frauenröcke. Dabei lernten wir in der Schwulenbewegung, damit umzugehen und die Formen und Wirkungen einigermassen zu verstehen. Das fehlt heute den Junghomos und Lobbyisten weitgehend wieder.

Martin Dannecker nimmt in seinem Beitrag das Problem bei den Hörnern! „Dass die Sexualpädagogik der Vielfalt diese Idealisierung der Heterosexualität, die immer mit einer Abwertung der nicht heterosexuellen Sexualitäten einhergeht, unterläuft, ohne freilich der heterosexuellen Orientierung und heterosexuellen Lebensformen ihr Recht abzusprechen, wird ihr von den KritikerInnen rachesüchtig vorgehalten.“

Er meint, dass die Hierarchie der „besseren“ Orientierung oder Lebensweise durchbrochen wird, um mehr Gerechtigkeit herzustellen gegenüber all „den anderen“. Nun, diese Diskussion stellt sich ja wiederum bei der Forderung nach Öffnung der Ehe, mit Verlaub! 😉 Meiner Ansicht nach findet schon längst eine Heterosexualisierung der Homos statt und nicht umgekehrt, wie behauptet wird.

Die Erkenntnis, dass es seit dem Talmud in allen Schriften kulturell darum ging, Normale in ihrer Normalität zu bewahren, während eigentlich die „Anderen“ nicht so interessant waren, sollte sich endlich weiter verbreiten. Ausserdem war die sexuelle Praktik zwischen Männern immer ein Ärgernis unter vielen anderen, die heute übrigens auffälligerweise keine Rolle spielen…

Mit Pornografie im Internet kommen Jugendliche heutzutage fast alle in Berührung. Allerdings gibt es in dieser Hinsicht bedeutsame geschlechtsspezifische Differenzen. Mädchen sind weitaus weniger an Pornografie intereressiert als Jungen.“ (Dannecker)

Mit Verlaub, Herr Professor, darüber nachzudenken würde sich sicher lohnen – besonders aus dem schwulen Blickwinkel! Ich erinnere daran, dass die „Pornografisierung“ in der Gesellschaft vor allem dazu dient, Männer an die Frauen als Lustobjekt zu erinnern, während Sex unter Männern immer konsequent kriminalisiert worden ist. (4) Da passt irgendetwas in der Natur nicht zueinander… 😉

Der Sexualpädagogik fällt die Aufgabe mit Jugendlichen über ihre sexuellen Erfahrungen im Netz zu reflektieren – wozu selbstverständlich auch das vor allem an Mädchen herangetragene Sexting, also das Herstellen und Weiterleiten von sexuell aufgeladenen Bildern – auch deshalb zu, weil sie darüber mit ihren Eltern in der Regel nicht sprechen wollen oder können.“ (Dannecker)

Hier ist auch die Frage zu stellen, welche Gründe das haben mag! Weiter unten weist Dannecker nochmals auf die individuelle Eigenheit von Jugendlichen und ihrer Sexualität hin, die sie von ihren Eltern trennt. Dazu gehört aber auch die Tatsache, dass Kinder und Jugendliche – um es mal ganz allgemein zu formulieren – ihre Eltern fast immer als asexuelle, zumindest auch a-erotische Menschen erleben. Und hier wiederum die Tatsache, dass homosexuelle Männer sich viel öfter Zärtlichkeiten oder Berührungen zukommen lassen. Dies wird aber als „Jugendgefährdung“ interpretiert, besonders bei schwulen Eltern – bei lesbischen wird es nicht dramatisiert.

Peter Thommen_66, Buchhändler, Schwulenaktivist, Basel

Tuider/Dannecker: Das Recht auf Vielfalt. Aufgaben und Herausforderungen sexueller Bildung, Hirschfeld Lectures Bd. 9, Wallstein Verlag 2016, 50 S. CHF 13.50

1) gemeint ist die aktive methodische Einflussnahme auf Definitionen und Begriffe in der Sprache

2) siehe swissgay.info nr. 5, März 2016

3) NZZ vom 15. April 2016

4) Ich erinnere mich an ein Telefonat mit jemandem von der damals zuständigen Bundesanwaltschaft in Bern, der dazu nur sagte: Bei den Frauen sieht man ja halt nichts…

Siehe auch meine Bemerkungen über „Frauen und Schwänze“ > Thommens Senf (arcados.com)!

Siehe auch > Küsse öffnen die Welt (NZZ)  Wie schwierig Genderdiskussionen sind, zeigen die Postings/Leserbriefe unterhalb der Buchbesprechungen!

eine schöne Fresse!

Samstag, März 28th, 2015

Was man damit anfangen kann, das erzählt uns Edouard Louis in seinem autobiographisch gefärbten Roman „das Ende von Eddy“. Für viele ist nicht klar, warum er ein „Ende“ beschreibt. Das tut er, weil er mit seiner Kindheit und Jugend endgültig abgerechnet hat. Der Roman ist seine Abrechnung mit allem und allen. Darum hat er sich auch einen neuen Autorennamen zugelegt.

Ich habe die Geschichte von Eddy erzählt, ein Porträt des Dorfes gezeichnet, in dem er aufwächst, der Menschen, die ihn umgeben, um die Erfahrung des Dominiertwerdens greifbar zu machen.“ (1)

Das heisst also, dass er sein „persönliches“ Drama in den politischen Zusammenhang stellt. So wie es die Schwulenbewegung gemacht hat. „Im Flur fragten sie mich, wer ich sei, ob ich wirklich Bellegueule sei, über den alle reden. Sie stellten mir jene Frage, die ich mir dann selbst stellte, monate-, jahrelang, bist du der Schwule?“ (2)

Wie viele schwule Kinder fragte er sich, woher das kam, was andere „Schwuli“ nannten: „Meine Eltern nannten das „Getue“. Sie sagten: Lass doch das Getue. Sie wunderten sich. Warum benimmt Eddy sich wie eine Tussi? Sie sagten: Reg dich ab, muss das sein, dieses tuntige Gefuchtel. Sie dachten, es sei meine Entscheidung, dass ich mich so benahm, als wäre das eine Ästhetik, die ich kultivierte, um sie zu ärgern.“ (3)

Die Metapher vom „schwulen Kind“ gibt es noch gar nicht. Die Eltern stossen sich daran, weil es ihnen etwas sichtbar macht, das sie ja „gar nie vermittelt haben“! Nach der bewährten Hetero/a-Legende: So etwas gibt es in unserer Familie gar nicht.

Auch der Versuch, sich in die Mädchenkleider seiner Schwester zu stürzen, erschien ihm schliesslich zu absurd.

In der Mittelschule ausserhalb seines Dorfes war er mit neuen Leuten konfrontiert, die ihn neu taxierten. Ein Schüler liess ihn vor den Kollegen auf und ab laufen. Er sagte zu ihnen: „Passt mal auf, wie der läuft, total schwuchtelig, und er versprach ihnen, sie würden was zu lachen haben. Als ich mich weigern wollte, machte er mir klar, dass ich keine Wahl hatte und dafür büssen würde, wenn ich mich weigerte. Wenn du es nicht machst, kriegst du ein paar aufs Maul.“ (4)

Es ist erstaunlich, wie das Kind und der Jugendliche sich an der Rolle der Männer, dem Dorf und seiner Familie abarbeiten musste. Er porträtiert die Mutter, die Familie und die Menschen um ihn herum mit Geschichten aus ihrem Leben – bis ins Schlafzimmer der Eltern. Auch die sexuellen Übergriffe von heterosexuellen Jungs bekommen ihren Platz. Wir sehen, wie gewisse Sexualfantasien entstehen, sich verstärken und etablieren können.

EdLouis

Edouard Louis

Alles was man nicht hören wollte, wurde als Privat-angelegenheit ausgelegt. Mich hat es interessiert, diese Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem neu auszuloten.“

In allen Ländern, in denen der Roman bisher erschienen ist, wurden beide Themen, Klasse und Homosexualität, immer zusammen gesehen. Genau darum ging es mir ja auch, zu zeigen, wie sich beides bedingt. Schwul zu sein im Iran, in Russland, im Marais in Paris, in Berlin, oder in einem kleinen Dorf in Nordfrankreich, ist eben nicht dasselbe.“ (1)

Er versucht erfolglos zu fliehen. Er versucht auch, eine Freundin zu haben. Erst der Wegzug an eine höhere Schule und in ein Internat ermöglichen es ihm schliesslich, mit seiner Vergangenheit abzuschliessen. Und mit dem Namen Edouard Louis ist sein Leben als Edouard Bellegueule definitiv beendet.

Edouard Louis: Das Ende von Eddy, S. Fischer 2015, 205 S. ISBN 978-3-10-002277-6

Auch die französische Ausgabe ist lieferbar! Und die italienische besorgt ARCADOS auch!

1) Edouard Louis im Interview mit Friederike Schilbach

2) EL, dt. S. 13

3) EL, dt. S. 24 (hierzu sh. im Interview bei France Culture wie er – ab min 9’55 mit den Händen spricht!)

4) EL, dt. S. 32

Besprechung im „Spiegel“

SRF2 Kultur

Interview mit dlf

Epilog

Erfreulich, wie ein Junge die Worte wieder findet, die schon frühere Generationen formuliert haben! Und die „Tränen“ der Heteros darüber sind so heuchlerisch. Jedesmal müssten sie sich fragen, wer die Verantwortung dafür trägt und jedesmal wird das ausgeblendet. Auch wenn geschrieben wird: „Seine Tränen sind politisch!“ Denn niemals hatte es Konsequenzen in der Politik. Es wurden die juristischen Vergewaltigungen beseitigt, denn damit drang nichts mehr in die Medien und die Öffentlichkeit. Selbst die anale Vergewaltigung durch Heteros wird in keinen Interviews, die ich gesehen habe, thematisiert. Denn eigentlich ist ja immer der Schwule der Täter an den Heteros. Und so soll es ja auch weiterhin bleiben. Auch in der Sicht von Frauen. Denn wenn es „gebürtige Schwule“ geben würde, stimmte das Bild nicht mehr vom verführten und sexuell missbrauchten männlichen Kind! Es wäre zu revolutionär.  Peter Thommen

 Der Text als PDF

der schwule Roman als „Ware“

Samstag, Juni 21st, 2014

Nachdem die Stimmen von Schwulen erst in politischen Diskussionen aufgetreten sind, wurde nach Literatur von und über Schwule geforscht. Dabei gab es bekannte und verschollene Texte aus allen Zeiten neu zu entdecken. In der jungen Basler Literaturzeitschrift „drehpunkt“ bin ich 1977 von Christian Fink als schwuler Buchhändler interviewt worden. Hansruedi Fritschi schrieb im hey Nr. 4 und 5/1982 über „Schweizer Literatur und Homosexualität“. 1995 fand in Bern eine Tischdiskussion darüber statt, ob es „schwule Literatur“ überhaupt gebe!

2012 publizierte Joachim Bartholomae bei Männerschwarm ein schmales Bändchen: Wie der Keim einer Südfrucht im Norden (Kleist, Kafka und andere Aussenseiter der Literatur).

In den 80er und 90er Jahren erschien wichtige schwule Literatur bei etablierten und bei grossen Verlagen. Daneben profilierten sich eine handvoll schwuler Verlage. Der grösste ist Bruno Gmünder, der auch wichtige ältere Bücher in Neuauflage herausbringt. Zusätzlich erscheinen Texte in „Selbstverlagen“, die leider meistens keine Bearbeitung durch ein Lektorat bekommen.

Heute können sich viele Gays ihre Lektüre direkt übers Internet herunterladen und auch gleich bezahlen – dabei spielt natürlich die „Diskretion“ eine Hauptrolle. Die „Emanzipation“ von – im weitesten Sinne – homosexuellen Bedürfnissen findet seit längerer Zeit über die Marktplattformen im Internet statt. Seit die Homosexuellen eine ziemlich klare Zielgruppe des Marktes geworden sind, erfahren sie eine den Frauen ähnliche „Umwerbung“. So wie es in allen Städten an jeder Ecke einen Shop für Frauen hat, gibt es im Internet überall Angebote für Gays. So können auch diese immer wieder ihre Minderwertigkeitsgefühle „aufpolieren“ und an besonders „interessanten“ Angeboten ihre diskrete subjektive Emanzipation erleben.

Es sollte ihnen aber – wie den Frauen auch – zu denken geben, dass antihomosexuelle Reaktionen erfolgen, wenn den Hetero/as die Sichtbarkeit „zu viel“ wird. Denn Männer reagieren auf das Getratsche und die Exaltierheit von Frauen nur solange, bis sie ihr Sexualziel erreicht haben. Nachher ist es ihnen einfach nur lästig. Als Konsument“innen“ sind Frauen und Homosexuelle interessant für den Markt, aber als selbstbewusste IndividualistINNen sind sie in der Gesellschaft unerwünscht.

Seit Generationen von jungen Männern (auch Migranten) heranwachsen, die nicht mehr lesen, oder die ihre homosexuellen Bedürfnisse „diskretestens“ übers Internet anbringen, haben die etablierten Verlage auch ihre „schwulen Titel“ drastisch reduziert. Gleichzeitig wurde von Anderen ein vielfältiges Angebot für diese im Internet aufgebaut, das rasch angeboten und ökonomisch abgeschöpft werden kann. Dabei geht es vor allem um Gesundheitspillen und -wässerchen, Unterhaltung, Bilder und Illusionen und weniger um gezielte pornographische Angebote.

Nicht zu vergessen ist dabei das spezielle Erlebnis als Form von phantastischem Roman, das sich in Klemmschwesterns Köpfen von alleine „zusammensetzt“. Der schwule Roman geht nicht nur in die virtuelle Form über. Er bildet sich in jedem Kopf und mit jedem Erlebnis individuell und neu in allen Vorstellungen der Phantasierenden. Denn mit jedem Kauf und jedem Erlebnis erhofft sich der Konsument ganz bestimmte Erlebnisse und Wunscherfüllungen, mit denen er SEINE homosexuellen Bedürfnisse befriedigen kann. Der Individualist ist Konsumist und sein eigener Romanschreiber…

Liselotte Brodbeck hat 1974 über den „Roman als Ware“* für die Frauen geschrieben. Sie bezog sich dabei auf Fortsetzungshefte wie „Jerry Cotton“, Arztromane und Königstöchter, etc. Dabei stiess sie auf unglaublich einfache oder vereinfachte Vorstellungen von Frauen über das Leben, die Familie und eine „Karriere“ an der Seite erfolgreicher Männer.

Brodbeck, Roman

Etwa so ähnlich ergeht es den homosexuellen Jungs heute! Vereinfachte Vorstellungen über Gesundheit, Karriere und ökonomischen Erfolg finden wir in den aktuellen Gay-Magazinen angeboten. Der Erfolg der Schwulenbewegung war auf rechtliche Gleichstellung ausgerichtet, der Erfolg von Junghomos wird auf kulturelle und ökonomische Gleichstellung mit erfolgreichen Heterosexuellen ausgerichtet. Dabei geht die Arbeit mit und in der Gesellschaft verloren.

Brodbeck schrieb 1974: „Dem Gegenstand der vorliegenden Untersuchung nach sind kapitalistische Produktionsbedingungen nicht Folge, sondern Voraussetzung“… – und so meine ich: … für eine erfolgreiche Emanzipation. Die ökonomischen Verhältnisse bestimmen das Wohlergehen von Homosexualität und von Schwulen.

Durch Vielfalt und endlose Variationen erscheint das grundsätzlich „immergleiche“ Angebot als das „Immerneue“ und wird so im Bewusstsein der Leser zum unabänderlichen persönlichen „Schicksal“ – frei nach Brodbeck abgewandelt!

Die stete Veränderung von Gesellschaft und Lebensweisen wird aus den Augen verloren und das Nachäffen traditionell-heterosexuellen Verhaltens und heterosexueller Vorstellungen wird als oberste Bedingung für den Erhalt der eigenen Wertschätzung übernommen. Das sind ganz andere Erziehungsmechanismen als sie die Schwulenbewegung noch im gemeinsamen physischen Sein angestrebt hatte.

Peter Thommen_64, Schwulenaktivist, Basel

* Brodbeck, Liselotte: Roman als Ware, edition etcetera Basel, 1974, 70 Seiten (nur antiquarisch)

P.S. „Im Mittelpunkt der Werbung steht die Metapher, dass die Beziehungen zwischen Menschen und Individuen durch Dinge vermittelt werden.“ (Eva Illouz: Der Konsum der Romantik, Liebe und die kulturellen Widersprüche des Kapitalismus, Campus 2003, S. 73)

coming out ist lebenslang!

Dienstag, Oktober 8th, 2013

Der „coming out day“ wurde 1988 in den USA ins Leben gerufen, um jährlich daran zu erinnern, dass es irgendwann eine Linie im Leben eines Mannes gibt, die ihn zu einer Selbsterkenntnis und zur Wahrnehmung durch Andere führt.

Für die heterosexuelle Kultur ist das etwas ganz Selbstverständliches! Unter Jungs die erste Ejakulation, in der Schule der erste Schulschatz, der „mit einem geht“. Später der erste Kuss und der erste Koitus! Alle freuen sich darüber und Eltern warten meistens auf diese „ersten Male“. Auch nicht mehr solange bis zur Verlobung oder Heirat…

So hat jedeR Hetero/a einen natürlichen Verlauf von coming out als Person, als Sexualpartner und Bezugsperson. Und selbstverständlich sind sie stolz darauf, wollen die Freude der ganzen Welt erzählen! Dazu gibt es triviale und literarische Vorlagen, Filme, und Musik, oder heute das fb, das Iphone und die verschiedensten Apps…

Eigentlich könnten sich ja alle auf denselben Plattformen bewegen. Aber das würde nur „stören“! Da schleichen sich die viertel-, die halb- und die „ganzseidenen“ Heteros lieber in die schwulen Plattformen hinein.

So ist es Tradition, dass die Schwulen ganz eigene Kontaktebenen entwickelt haben. ARCADOS war der erste schwule Buchladen im deutschsprachigen Raum (1977). Wenigstens der erste, der als solcher auch so offen auftrat, mit einer handvoll deutschsprachiger Bücher.

In den 70er Jahren gab es nur furchtbar verkopfte Bücher, vor allem linker Provenienz. (Homosexualität als „Nebenwiderspruch“!) 😛

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In den 80ern kamen dann die „unkomplizierten“ Taschenbücher – sogar in allgemeinen Verlagen wie Rowohlt! Unvergessen „schwul na und?“ von Thomas Grossmann (1981) Sie kamen im outfit jener Zeit daher und vermittelten Luft. Besonders in Erinnerung eine Zeichnung: Ein Vater am Bett einer Domina, mit Hundehalsband: „Hab ich dir eigentlich schon erzählt, dass mein Sohn ein perverser ist? Stell dir vor er ist schwul!“

Ein Jahr später: Männer. LiebeEin Handbuch für Schwule und alle, die es werden wollen.“ von Matthias Frings und Elmar Kraushaar (1982) Sie gaben Einblick in die Szene, die Ikonen und das Privatleben. Sogar die Schwulenbewegung kriegt ihr Kapitel darin. Ein wunderbares Zeitbild.

Dann kam 1984 eine Handreichung für Eltern, wiederum von Thomas Grossmann. Doch ihr Einbezug war schwierig, wegen der Familiensituation.

Schliesslich „Beziehungsweise andersrum schwul – und dann?“ nochmals von Grossmann. In allen diesen Büchern fand eine Auseinandersetzung mit sich und Anderen statt. Der Leser bekam eine vielfältige Sicht auf Biographien und Lebensläufe. Schwulsein öffnete sozusagen die bürgerliche Sicht auf das Leben in seiner schwulen Vielfalt. Doch davon ist heute nicht mehr viel übrig geblieben.

Eigentlich geht es den Schwulen wie den Kindern! Sie erhalten Sexualinformationen, die eigentlich ihrer Lebensweise schon vorgefertigte heterosexuelle Erfahrungen und Empfehlungen vorgesetzt bekommen. Schwulen Sex macht man, mit dem Ziel den Mr. Right gleich fürs Leben zu finden. Dazu braucht es – wie bei den Frauen – viel Kosmetik, sowie Sport, Fitness, Parties und Ferienreisen…

Eine Meditation oder Auseinandersetzung ist nicht mehr nötig. Es kommt auf die Accessoires und die Fetische an. Zudem steht uns das Kamasutra mit allen möglichen Sexualpraktiken zur Verfügung, so dass es uns eigentlich bis 80 nicht langweilig werden kann! Hä?

Schwule sind inzwischen nur noch eine Gruppe unter vielen Sexualorientierungen, wie Asexuelle, Transsexuelle und andere. Wir sind zu einer Minderheit in den Minderheiten geworden. Der Buchladen als Treffpunkt hat sich längst überlebt. Schon ARCADOS wurde übrigens mit dem Vorwurf eines „Pädophilentreffpunktes“ – noch im letzten Jahrhundert – angegriffen. Redet keineR mehr davon heute… So schlimm kann es also nicht gewesen sein! 😉

Es gibt aktuell auch keine Bücher mehr für Jungs, die wissen wollen, was auf sie wartet. Das suchen sie sich im Internet zusammen. Oder stellen ihre Sexualität selbst darin dar. Aber das ist den Heter/as ein Dorn im Auge. Mittels Kriminalisierung von „Kinderpornografie“ (bald bis 18) versucht Frau, dies wieder in den Griff zu bekommen. Meistens fehlt auch die Angabe, was denn genau darunter verstanden werden muss. Kann jedeR die schlimmsten Sachen damit meinen – eine inhaltliche Auseinandersetzung darüber ist obsolet.

Die aktuellen Sexualinformationen werden von den Aidshilfen produziert und verteilt und diese wiederum nehmen Rücksicht auf die Kontrolle aus der Politik. Kein wagemutiger grösserer Verlag mehr und schon keiner, der an schwulen Käufern interessiert ist. Die meisten Kinder- und Jugendbücher zum Thema werden von Frauen geschrieben und sind so ziemlich „asexuell“.

Das relativ neue „Milchbüechli“ (aus Baden) nimmt sich – auch mit Unterstützung staatlicher Stellen – der Sexualinformation – jetzt verschiedenster – Minderheitengruppen an. Aber wenn es um Analverkehr geht, dann sollte schon klar werden, dass es bei Frauen und Männern nicht das gleiche Gefühl und die Wirkung sind. In der aktuellen Nummer fünf gibt es Rat: „In Pornos habe ich gesehen, dass mit Urin Sexspiele gemacht werden, ist das normal?“(J. -17 J.)

Die sehr „weibliche“ Antwort darauf ist: „Um herauszufinden, was dir gefällt, probierst du es am besten aus. Herumexperimentieren macht Spass…“ Klar, dann sind die Leute beschäftigt. Und es muss sich für die Beteiligten „gut anfühlen“. (S. 15)

Jeder Fetisch ist dann „normal“, wenn er auch von allen verstanden wird – und nicht nur Spass macht. Wir halten es allgemein auch mit „der Homosexualität“ so! Anstelle der Fachausdrücke ist der Zusammenhang wichtig. Letztlich ist heute „alles normal“, nur verstehen tut es keineR… (Das erwarte ich schon von StudentINNen und Linken!)

Ganz zu schweigen von der politischen Dimension. Pornokonsum wird bald erst ab 18 Jahren erlaubt sein und vorläufig sind Darstellungen wie „Watersports“ und „das was ins Klo gehört“ ebenso schwer strafbar wie die allseits verfolgte Kinderpornografie. Und Unwissen schützt vor Strafe nicht… (Aber das ist wohl wieder so ein „Nebenwiderspruch“.)

Ein „coming out“ ist also auf allen Ebenen und zu allen Zeiten wichtig. Daher sollten wir aufhören, einen „Spezialtag für jugendliche Schwule“ zu zelebrieren, denn heraus kommen wir in allen Lebensaltern. Ausserdem würde die – zwar politisch korrekte – Trennung zwischen jungen und erwachsenen und älteren Schwulen aufgehoben und die Angst aller voreinander würde gebannt.  (Die öffentliche Vorstellung von den Jungs „und ihren Verführern„!)  Es ist durchsichtig, wieso keineR daran politisch interessiert ist! Aber genauso wie zwischen Hetero- und Homosexualität muss die trennende Ordnung sein, wo kämen wir denn da sonst hin?

Meine Generation hat auf den Forschungen der Heteros aufbauen müssen. Wir waren ihren „Erkenntnissen“ sozusagen ausgeliefert. Inzwischen haben Schwule und Lesben eigene Forschungen und Erkenntnisse zusammengetragen – sie müssten nur noch aufbereitet und in geeigneter Form angeboten werden. Damit nicht jede Generation wieder bei Null anfangen muss!

Ausserdem gibt es heute eine „homosexuelle Sichtweise“ des Ganzen, die ebenso wichtig ist, wie die „weibliche“ Sichtweise zur männlichen.

Dazu braucht es auch reale Kontakte und Vertriebswege, wie zB schwule Buchläden. Denn offenbar interessieren sich Hetero/as nicht so sehr dafür. Da können wir noch so „heterofriendly“ oder „heterolike“ tun, wie wir wollen. Zum Schluss die schon früher gestellte Frage: „Wieso müssen eigentlich immer die Homosexuellen ihr coming out machen? Eigentlich wären es uns die Hetero/as schuldig, ihre Toleranz – jeden Tag – wie selbstverständlich zu „beweisen“. Vor allem und zuerst die Eltern, denn die sind eigentlich an allem „schwuld“! 😛

Peter Thommen-63, Buchhändler, Basel

 

Der Heterror im Umgang mit Homosexualität besteht darin, homosexuelle Jungs nur halb ernst zu nehmen und sie vor erwachsenen Verführern zu bewahren, sowie die erwachsenen Schwulen von ihnen fernzuhalten mit Drohungen von „Pädophilie“!
Damit lernen wir, den heterosexuellen Missbrauch in der Jugend zu vergessen und uns damit abzufinden, dass wir „nicht alt werden können“!!
Es fehlt uns die Verbindung der Generationen, die für Heterosexuelle selbstverständlich und wichtig ist.  
Daraus werden alle Manöver wie Adoptionsverbot und „Schutz vor Ausbeutung“ bis 18 Jahre verständlich. Aus diesem Grund hat die Schwulenbewegung auch das frühere Schutzalter von 20 auf der Strasse bekämpft! Es hat gerade mal 20 Jahre gehalten…

Nordafrikanisches Liebesleben im Wandel

Montag, Mai 27th, 2013

Shereen el Feki hat ein aktuelles Buch mit sehr viel historischen, ethnologischen und sexuellen Informationen geschrieben, das ich mit Spannung gelesen habe.

Die Sexualkultur unter Moslems ist darin sehr anschaulich beschrieben, sowie die Doppelmoral, die sich aus Religion und Wirklichkeit ergibt. Neben der Situation von Frauen beschreibt sie auch die desolate Wirklichkeit von Männern. Unter der heute gültigen Kultur leiden beide Geschlechter, weil sie eine Ideologie für Gläubige (mönchisch) und keine mit Bezug auf Alltagserfahrungen mehr ist. Aberglaube, Unwissen und „vorauseilender Gehorsam“ sind wichtig! (Also Handlungen, die etwas Positives durch „Gehorsam“ in Aussicht stellen. Ein typisches Familienritual, wie ich meine!)

Obwohl der Islam und sein Prophet ihren Gläubigen sexuelle Freuden gönnt, lassen die sich aber nicht so einfach umsetzen und geniessen! Daher wogt ein stetiger Streit mit sogenannten religiösen Autoritäten, die angeblich wissen wollen, was „halal“ (gottgefällig) und was „haram“ (sündhaft) sei…

Mich interessieren solche Kulturschilderungen, weil sie das Grab unserer eigenen Vergangenheit öffnen und Erinnerungs- und Rekonstruktionshilfen für unsere Kultur sind, von denen die meisten nichts mehr wissen…

Bis heute sind die Bedürfnisse von Frauen und Männern sehr verschieden und müssen erst „koordiniert“ und eingeübt werden. Von „natürlicher Ergänzung“ kann keine Rede sein – abgesehen von der Penetration zur Fortpflanzung. Heterosexualität ist ein Konstrukt. Im Zusammenleben wie im Sexualleben. Rituale haben das menschliche Gespräch historisch zunehmend ersetzt.

Als Schwuler erkenne ich in den Schilderungen Fekis auch die verschütteten homosexuellen/homosozialen Elemente aller Männer wieder, an denen sie von Müttern, Gesellschaft, Freundinnen und Ehefrauen vorbeigemogelt werden.

Mir fällt bei den Gebräuchen der Moslems auch auf, dass es darum geht, den Sexualorganen mit Beschneidungen Gewalt anzutun, um sie früh zu zähmen. Aber um als erwachsen gelten und erwachsenen Sex haben zu können, braucht es weitere. (Ähnlich wie mit den religiösen Riten der Taufe/Konfirmation/Ehe) Es geht auch darum, dass vorehelicher Sex unter Kindern oder Jugendlichen „verhindert“ werden soll. Aber wer soll damit vor wem geschützt werden? Die Frauen vor Empfängnis und/oder die Männer vor Homosexualität?

Klar ist mir geworden, dass die Religionen ihre Macht auf Sexualeinschränkungen aufbauen. Dem Kind wird versprochen, es erhalte für den Gehorsam dann später eine Erfüllung im Sex und in der Liebe. Und dem Erwachsenen wird wiederum versprochen, er erhalte gegen seinen Glauben nach dem misslichen Leben, ein ewiges Paradies im Himmel…

In der administrativen und religiösen „Vergewaltigung“ in der Geschichte der Sexualität erkenne ich die heutige Sehnsucht von westlichen Schwulen und Bisexuellen, tatsächlich „entjungfert“ zu werden und von sexuellen Übergriffen zu träumen, letztlich um die Verantwortung dafür nicht übernehmen zu müssen. Nach dem Schmerz wird verlangt, aber nicht nach der Fähigkeit, (da)mit Sex(uell) umzugehen!

Feki Zit

in englisch und deutsch

Das schliesst unsafen Sex, barebacking und das „Schlampe“ spielen ebenfalls mit ein. (Phil Langer nennt das „beschädigte schwule Identität durch Risikoverhalten!“) Dies spielt – wie beim normalen hetero Verhalten unter so vielen Vorschriften, eine wichtige Rolle.

„Zu starke Sexualität“ wird angeblich gebremst und erzeugt bei beiden Geschlechtern offenbar Ängste, die mit Gewalt überwunden werden müssen, was wiederum ein verängstigtes Bedürfnis nach Gewalt erzeugt…

Wobei ich den Eindruck bekomme, dass Frau(en) sich in Kairo wohl um eine weibliche Identität bemühen, aber die Männer z.B. unberücksichtigt bleiben, wenn es um die Einheit mit anderen Männern geht, oder bei der Untersuchung von Spermien auf deren „Fruchtigkeit“. Traditionell wird alles über die Frau abgehandelt, sie muss sich rechtfertigen.

Wichtig und interessant ist die Feststellung El Fekis, dass sexuelle Übergriffe und Missbrauch keine sexuelle Identität verändern oder gar eine HS erst herstellen können, (Pädophilie-Vorwurf) wie das bei uns und offenbar auch dort geglaubt werden will.

Manchmal erscheint mir die Situation der ägyptischen Frauen wie diejenige von verklemmten und versteckten Schwulen. Die Gesundheits-Politik ist ähnlich wie die unserer Schwulenbewegungen anfangs des letzten Jahrhunderts.

Feki hat ein eigenes Kapitel über gleichgeschlechtlichen Sex und über Transgender geschrieben. Auch über die AktivistINNen und ihre Vorstellungen, wie sich diese auch von unseren westlichen Vorstellungen unterscheiden. Ähnlich wie früher in der Schwulenbewegung bei uns, will sozusagen keineR eine Homo-Ehe und deren Rechte einfordern, sondern überhaupt mal ein Recht auf Privatleben einklagen – nämlich für ALLE. Damit ist der Bezug zur Alle umfassenden Politik in der Gesellschaft so nahe wie er mal bei der Schwulenbewegung war.

Ein interessantes Buch für die Diskussion um die Homo-Ehe, für die Arbeit mit MigrantINNen, über Geschlechtsrollen, über Bisexualität, über Parallelsexualitäten (mit m und w), über Rollenverhalten. Generell wichtig für die Gender-Diskussionen!

Es ist anspruchsvoll, sich durch die dargestellte Frauensexualitätsgeschichten durchzuarbeiten, was nicht jedem zusagen mag. Aber wir sind nun mal alle von Frauen geboren und hängen da mit drin („schwul = weiblich“) – auch wenn wir keinen Sex mit ihnen haben!

Shereen el Feki: Sex und die Zitadelle, Hanser, 2013 (orig. engl. – jetzt auch frz.)

Es ist kein „wissenschaftliches“ Buch, sondern sehr leicht verständlich geschrieben und spannend zu lesen! Für viele aber dennoch eine Herausforderung!  Peter Thommen_63

Aktualisiert 11.6.2013

Shereen El Feki: Wie man eine Epidemie unter schlechten Gesetzen bekämpft! HIV

Ein Interview mit El Feki in englisch, über ihr Buch

Kultur, Ästhetik, Gender

Samstag, März 23rd, 2013

„Mediale Selbstentwürfe von Homosexuellen“ 2013

Hier mehr über den Inhalt

privat

Wird bestellt, Preis ca. 25 CHF (für Vergrösserung klicken!)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei ARCADOS am Lager

Harare ist nicht Mauthausen

Freitag, September 2nd, 2011

Tendai Huchu erzählt uns über einen Friesiersalon in Harare, der wie überall in der Welt ein reales Netzwerk von Menschen darstellt, worüber sie einander mitteilen, klatschen und helfen. Worüber auch Neid, Missgunst und Eifersucht laufen und worin sich manche Biografien kreuzen. In Afrika werden Frauen von Frauen und Männer von Männern frisiert. Als eines Tages ein junger attraktiver Mann auftaucht, der den Kundinnen schöne Augen und moderne Frisuren macht und den weiblichen Angestellten harte Konkurrenz, geraten die Gewohnheiten aus den Fugen. Der Autor schreibt aus der weiblichen Perspektive von Vimbai, die ein uneheliches Kind und einen Haushalt durchzubringen hat. Nicht leicht bei den desaströsen wirtschaftlichen Verhältnissen in Zimbabwe. Wie sehr sind die Leute auf Handreichungen und Beziehungen angewiesen, um überleben zu können! Als Klienten aus dem Staatsapparat und bald auch Ministergattinnen auftauchen, weil sie von dem neuen Coiffeur Dumisani gehört haben, beginnt der kleine Kosmos zu wackeln. Erfahrung wird beiseite geschoben, Ideen und Innovationen von Dumisani bringen das Geschäft zum blühen. Vimbai sieht sich und ihr Karriere in Frage gestellt. Trotzdem nimmt sie den attraktiven Kollegen in Untermiete auf, um etwas Geld dazu zu verdienen. Er kümmert sich auch rührend um ihre Tochter und ist ein rücksichtsvoller Wohnpartner. Beide haben Probleme mit der Familie, weil sie nicht in die Normen passen. Als Dumisanis Bruder heiratet, nimmt er sie als Freundin mit an die Hochzeitsfeier, wo sie von der „Schwiegerfamilie“ mit offenen Armen empfangen wird. Sie schwimmt im Glück, als man ihr zu einem eigenen Salon verhilft. Schon macht sie sich Hoffnungen auf eine eigene Familie, als sie zu forschen beginnt, welches Problem denn ihr Zukünftiger vor ihr verbirgt. In dessen Abwesenheit durchsucht sie sein Zimmer und findet unter der Matratze den Schlüssel zu dem Geheimnis. Als gläubige Frau sucht sie Rat bei einer Regierungsstelle und verwickelt sich in tragischer Weise mit dem Schicksal Dumisanis. Zu spät realisiert sie den Fehler, den sie verschuldet hat und bleibt schliesslich alleine mit ihrem Kind und ihrem neuen Salon zurück. Tendai ist eine schwungvolle Erzählung gelungen, die einem sofort in ihren Bann zieht und bis zum bitteren Ende nicht mehr los lässt. Sie hat mich sehr angerührt!

Peter Thommen, Buchhändler (61)

P.S. Mauthausen? Ach das war doch in der Zeit des Nationalsozialismus. Was geht uns das heute noch an? Lies die Geschichte mit Dumisani!

Tendai Huchu: Der Friseur von Harare, Peter Hammer Verlag 2011 (2010 Weaver Press, Harare), 300 S. ca. CHF 24.-

Aus einem email des Autors: „Brother Peter!! As your service comes to an end (61 is rather premature I say!) others will pick up the rainbow flag. I am glad you have enjoyed the book though causing tears was never my intention 🙂 Dumisani exists, there are hundreds of him in the shadows Peter, but if anything time is on the side of progress and tolerance. Perhaps in your retirement you shall visit Zimbabwe, there is GALZ the gay organisation... Trust me there is more work for you to do apart from reading books and getting fat! Thank you for your support and if I can be of any assistance please do let me know. Tendai

Besprechung von Klaus Jetz auf  lsvd.de

Besprechung in der FAZ vom 27.2.12 (PDF 0,9 MB)

Gelegenheit macht Liebe – und schwul?

Dienstag, Juli 12th, 2011

Zwei Buchbesprechungen von Geschichten, die ich einer spezifisch weiblichen Sichtweise zuordne. Auch wenn die Schreiber schwule Männer sind!   Marty Tolstoy und Manuel Sandrino

Ein junger Mann schlägt sich mit Zeitarbeit und mit seiner Wohnpartnerin herum. Die beiden sind zwar kein Paar, könnten aber auch Geschwister sein. Diese beste Freundin versucht auch, den träumenden Jan fürs Zusammenleben tauglich zu machen, was ihr aber nicht so gelingen will.

Anlässlich eines Abendspaziergangs in die Schwulenkneipe – in einem vorstädtischen Ort – trifft Jan auf einen schönen Prinzen, der alle die Sehnsüchte in ihm weckt, die bisher wohl unbewusst in ihm geschlummert haben. Nach einem romantischen Tête-à-Tête-Tanz zu einem schmusigen Song verliert er ihn aber wieder aus den Augen.

Überraschend macht er bei einer Prügelei um seine Freundin wieder Bekanntschaft mit diesem Marco, der jetzt sein Leben mitbestimmt. Dieser hat ihr die Brieftasche geraubt, die er später findet und das bringt seinen Verehrer in schmerzende Gefühlszweifel und moralische Bedenken. Es wird ein coming out dieser Verliebtheit gegenüber dem Opfer – seiner besten Freundin – fällig. Der erste Band dieser Geschichte endet mit der unverhofften Begegnung als Zeuge vor Gericht und dann noch mit dem Besuch im Gefängnis.

Der zweite Band beginnt mit der ersten ernsthaften Arbeitsstelle für den Bürokaufmann, der immer noch im Haus seiner Freundin lebt. Nach der Vorstellung beim Chef steigt in ihm die beängstigende Ahnung hoch, dass der ehemalige Märchenprinz aus dem Knast ihn bei sich in der Firma angestellt hat. Und er muss sich gegenüber seinen Mitarbeiterinnen und der männlichen Konkurrenz bewähren. Durch eine mustergültige Präsentation erhält er Zutritt zum Marketing der Firma und stösst auch hier wieder auf unmoralisches Verhalten seines verehrten Marco, für den er alles tun würde…

Beim Lesen dieser Geschichte beschlich mich selber auch eine beklemmende Ahnung! Nämlich, dass das ganze von einem weiblichen Gehirn ausgedacht worden ist. Der junge Jan scheint nur unter weiblichen Fittichen zu leben und wird nur durch Zufall auf die ganze Welt draussen aufmerksam. Normalerweise bringen Jungs in dem Alter schon ein ganzes Beziehungsnetz daher, egal ob Heteros oder Schwule. Und sie haben bereits sexuelle Erfahrungen, die Jan völlig zu fehlen scheinen! Es geht vor allem um Liebe, Schmusen und Gefühle in diesen Geschichten. Es scheint mir eine Welt der Mädchen und Frauen zu sein, in der auch ein Schwuler wie ein Mädchen ganz jungfräulich sich in den „Richtigen fürs Leben“ verknallt und dafür noch von einem bösen Schicksal geplagt wird. Ein richtiges Märchen also, das nur durch Zufall hinter den Türen eines alten Kastens auf dem Dachboden gefunden wird. Peter Thommen_61

Marty Tolstoy: Gelegenheit macht Liebe/Diebe, Band 1, Shaker Media 2010, 240 S. und Band 2, 274 S. Eigenverlag o.J. beide ca. 14 €uro

 

P.S. Ich habe die Bücher einer erfahrenen Frau (Fussballfan, Fasnachtsclique)  zum Lesen gegeben und auch sie konnte sich des Eindrucks einer weiblichen Autorinnenschaft nicht erwehren. Auch wenn der Autor in Wirklichkeit ein Mann ist, ändert das nichts an meinem Eindruck! Weitere Details offenbart die hp des Autors!

Ich habe schon vor einiger Zeit das Buch von Manuel Sandrino: Selbstverständlich schwul (eine fantasierte Geschichte um eine schwule Schule in den USA) schon in der Mitte aus der Hand legen müssen, weil sich die Geschichten für mich um einen Mann drehten, der eigentlich eine Frau spielt unter Männern, wenn auch schwulen. Das mag interessant für die Genderforschung, aber nicht für die Biografie eines jungen Schwulen sein. Wem es gefällt, sei diese Art von Unterhaltung durchaus empfohlen.

Selbstverständlich schwul

Timmy ist ein verklemmter, schwuler 20-jährigerer. Entschlossen seine Hemmungen in den Griff zu kriegen, besucht der Schweizer für sechs Wochen eine Schule in San Francisco, die mit Selbstverständlich schwul! wirbt.

An der Schule und im San Francisco Mitte der 80er- Jahre entdeckt Timmy nicht nur das Geheimnis der Erotik, sondern vor allem einen ganz neuen Sinn im Leben. Nicht nur in der Theaterklasse, sondern auch in Mythologie schlüpft er in immer neue Rollen.

Immer neue Herausforderungen treiben ihn vorwärts: erst seine Hemmungen, dann seine tiefsten Ängste zu überwinden. Dabei gewinnt er nicht nur Freunde. Oft erstarrt Timmy in Angst bei dem, was alles auf ihn zukommt, stolpert aber trotzdem stetig vorwärts in immer verrücktere Gelegenheiten zu wachsen, sich zu blamieren und Antworten auf seine drei alles motivierenden Fragen zu finden: Was bin ich? Wer bin ich? Warum bin ich so, wie ich bin?

Der Süden Kaliforniens bietet so viel Neues und Aufregendes: als Statist in einem Film mitzumachen, eine spontane Show am Muscle Beach in Venice und als sich Timmy für eine Massage als Model zur Verfügung stellt, wird er unfreiwillig Lehrobjekt bei einem Tantra-Seminar. Aber vor allem Mythologie und Museumsbesuche eröffnen Timmy eine neue Welt, die immer mehr sein Denken und Fühlen beeinflusst. Erotik öffnet ihm neue Türen. (aus den Verlagsinfos)

„Das Buch ist voller Erotik und Fantasie. Jedes einzelne seiner Erlebnisse lehrt Timmy etwas Wichtiges. Timmy ist jemand, der nicht einfach glaubt, sondern durch hinterfragen, ausprobieren, beobachten und zuhören lernt. Er stürzt sich in die Abenteuer, auch wenn eer oft vor Angst fast erstarrt.“

„Was ist Erotik anderes als, als seine Fantasie kreativ zu nutzen?“

„Erstaunlicherweise erhalte ich speziell von Frauen, Müttern und Schwestern Feedbacks, wie das Buch ihnen neue Türen zur oft verschlossenen männlichen Psyche eröffnet.“

„Wie gehen schwule Männer miteinander um? Vieles ist bewusst zwischen den Zeilen belassen, oder nicht beschrieben.“

„Ein spannender Roman über einen kleinen Teil einer von vielen Männerwelten.“ (Worte des Autors)

Ich habe das Buch bis zur Hälfte gelesen. Dann ist mir klar geworden, dass dieser Timmy kein Schwuler ist. Ich war immer wieder irritiert über gewisse Ereignisverläufe, Gedanken und Rollenspiele. Halb zog es ihn, halb fiel er hin…

Das Buch ist eine Fantasie und Timmy spielt eigentlich die Frauenrolle in einer homosexuellen Welt, es könnte geradesogut von der besten Freundin eines Schwulen geschrieben worden sein. Wems gefällt, dem sei’s empfohlen!  Peter Thommen_60, Schwulenaktivist (publ. auf gaybasel.ch)

Manuel Sandrino: Selbstverständlich schwul, (PDF) Himmelstürmer 2008, 370 S. CHF ca. 26.-

Ein weiteres Jugendbuch mit ziemlicher „Mädchenperspektive“ ist

Edvard van de Vendels: Die Tage der Bluegrass-Liebe, Carlsen 2009  (Bd.1) 

Die langen Nächte der Stille, Carlsen 2009, 390 S. ca CHF 21.-  (Bd.2)

Einen Regenbogen im Brillengestell

Sonntag, April 17th, 2011

Das hat nicht jeder. Für Patrick Bowien (30) aber ist das auf dem Titelbild das richtige Symbol für seine Identität als Schwuler. Die an die 60er Jahre erinnernde Frisur lässt zuerst auf einen Mädchenkopf tippen. Aber so ist das mit der Identitätsfindung in der männlichen Homosexualität: Keiner will „so sein“ wie „der Andere“, aber trotzdem müssen wir zueinander finden. Für ihn ist das „gaynau richtig“.

Da hat sich einer daran gemacht, die Geschichte, die Umstände, und selbst HIV aufzuarbeiten und zu sich selbst zu finden. Der Weg ist doch das Ziel! Daneben schrieb mir kürzlich ein 22jähriger Bisexueller, er wisse doch schon alles und brauche keine Bücher zu lesen. Kein Weg führt auch zu keinem Ziel…

Ich war etwas überrascht über Bowiens vertiefte Arbeit, die er in einem Buch veröffentlichte. Etwas überrascht war ich auch, dass der 22jährige Junge befand, er wisse doch schon alles. Zwischen den beiden liegen nur rund 10 Jahre.

„Dieses Buch zu schreiben war eine persönliche Herausforderung. Neben Stress und Verzweiflung brachte es mir jedoch auch Lernen über die Identitätsfindung in der Homosexualität und über das professionelle zielgerichtete Schreiben eines Buches.“ (Vorwort)

Doch dies scheuen die meisten Jungs. Sie möchten ihre sexuelle Orientierung möglichst lange in der Schwebe behalten und sie schliesslich einem Schicksal anheim stellen, das sie dann nicht zu verantworten haben. Nach dem Motto: Etwas bi schadet nie…

Bowiens Arbeit ist eine ausführliche Zusammenstellung der Fakten, wie sie viele schwule Jungs und Männer immer wieder für „Selbstvertiefungsarbeiten“, Semesterarbeiten, oder Schulvorträge zum Zweck ihres coming outs in Ausbildungsinstitutionen erarbeiten. Ein Crashkurs durch Geschichte, Kultur und Politik und wie diese die Homosexualität einordnen. Auf die einschneidende persönliche und politische Rolle von HIV-AIDS geht er in einem ausführlichen Kapitel ein.

Darauf aufbauend beginnt ungefähr in der Mitte des Buches der Text über die Selbstfindung. „Die vorangegangenen Kapitel bildeten die Basis, auf der der homosexuelle Mensch sozialisiert wird. Diese Basis bestimmt das Fremd- und Selbstbild und beeinflusst den Prozess der Identitätsfindung wesentlich.“ (S. 61)

Er beruft sich auf wichtige Autoren der letzten Jahre und Jahrzehnte und zitiert ausführlich aus Büchern von Rauchfleisch, Hofsäss und vor allem Wiesendanger. Sein Studium der Sozialpädagogik gibt ihm auch die Knackpunkte fürs frühe jugendliche coming out vor. Diese werden weitgehend von den pädagogischen Institutionen übersehen. Bowien macht klar, dass viele Jugendliche bis ins Erwachsenenalter hinein der besonderen Beratung bedürfen, um nicht in pubertärer Opposition und an den gnadenlosen Regeln von Heterror und kommerzieller Szene zu scheitern. Er gibt auch handfeste Tipps für Beratungen und heterosexuelle Therapeuten. Aus der Sicht emanzipatorischer Sozialpädagogik ist es besonders wichtig, „nicht auf die Integration von homosexuellen Menschen in die heterosexuelle Gesellschaft hinzuarbeiten, sondern die Autonomie der Homosexuellen zu stärken. Auf diese Weise wäre ein homosexuelles Leben in psychischer Gesundheit in einer Gesellschaft wie sie heute besteht, leichter zu realisieren.“ (S. 87)

Drei personenzentrierte Interviews (nach Rogers) schliessen das Buch ab. Mit homosexuellen Männern der Jahrgänge 1928, 1958 und 1987, die er ausführlich kommentiert.

Bowiens Buch hat mir einmal mehr vor Augen geführt, dass es noch immer einer intellektuellen Anstrengung bedarf, um – jenseits der Nachahmung heterosexueller Normen – ein persönlich eigenständiges und selbstverantwortetes Leben in und mit der Homosexualität zu führen. Diese Anstrengung ist lebenslang gefordert! Die erleichterte „Einbürgerung“ mittels gesetzlicher Lebenspartnerschaften kann dies niemals ersetzen!

Peter Thommen, Schwulenaktivist (61)

Patrick Bowien: Gaynau richtig! Identitätsfindung in der männlichen Homosexualität, Tectum 2011, 120 S., CHF ca. 27.- (€ 19.90)

(Das Buch ist in Basel auch bei gay-mega-store erhältlich)

Siehe auch die Bücher von Wiesendanger: Vertieftes coming out, sowie Das Kind im schwulen Mann

Ech ha di gärn

Samstag, Januar 1st, 2011

Gedicht eines Schülers

Wie mängisch flemmereds öbere Bildschirm? Ech ha di gärn.

I wie mängem Buech esch es drockt? Ech ha di gärn.

Doch wie schwär esch es för mech doch? Ech ha di gärn.

Ech ha der das scho mängisch wölle säge: Ech ha di gärn.

Wie mängisch han ech mech ufgregt dröber: Ech ha di gärn.

Wie mänge het s scho för si Profit gnötzt: Ech ha di gärn.

Doch ech wet ders etz ou säge: Ech ha di gärn.

Wie mängisch han ech Wetz dröber gmacht? Ech ha di gärn.

Wie mängisch han echs onderdröckt: Ech ha di gärn.

Wie mängisch esch es onderdröckt worde? Ech ha di gärn.

Wie mängisch ben ech z jong gse? Ech ha di gärn.

Doch ech muess ders etz doch säge: Ech ha di gärn. doch ech brenges ned öber d Leppe.

Ech ha di gärn. Es esch ned „rechtig“: Ech ha di gärn.

Jede Obe säg is zo dim Bild: Ech ha di gärn.

Du – du besch nämlech e Ma!

Hanspeter, 16, Schüler, Niederrickenbach, in der Zeitschrift team, 1984