Mütter und (schwule) Söhne

Louis Schützenhöfer überraschte die Öffentlichkeit 2004 mit einem Buch mit Erlebnisberichten von erwachsen gewordenen Kindern über ihre Mütter.

„In aller Liebe. Wie Mütter ihre Kinder unglücklich machen“ (Ueberreuter Verlag, Wien). Neu publiziert als Taschenbuch bei Herder 2014 unter dem neuen Titel „In aller Liebe. Wie wir unsere Mutter überleben.“ (ISBN 978-3-451-066679-5)

Auch Martin Miller berichtet – mit 63 Jahren – über das schwierige Verhältnis zu seiner Mutter Alice Miller (1923-2010): „Das wahre „Drama des begabten Kindes“ (2016)

Claudia Müller legte 2008 eine Studie mit 5 tiefen Interviews über „Bewältigungsstrategien von Müttern als Reaktion auf die Homosexualität des Sohnes“ vor: „Mein Sohn liebt Männer“, (VDI Verlag)

Frauen haben ganz eigene und verschiedene Beziehungen zu ihren Söhnen. Darüber will ich hier nicht referieren. Jedenfalls habe ich bei Elisabeth Badinter gelernt, dass Söhne sich von Anfang an gegen ihren Körper der sie umgibt wehren müssen. (Während Töchter in einer Art Einheit mit dem gleichgeschlechtlichen Körper ihrer Mütter wachsen.) Badinter durchbricht das Tabu der „Mütterlichkeit“ und weist auf wichtige kulturelle Faktoren und die Psyche hin. (Christiane Olivier wiederum schreibt über die Psyche der Frau im Schatten der Mutter! > Jokastes Kinder, Claassen 1987, 240 S. /später bei dtv / OA frz 1980)

Viele Mütter spüren aber übersehen die „Andersheit“ schwuler Söhne und es sind nicht alle erfreut über den „Bastard“, der später das Geschlecht ihrer Gebärerin nicht begehrt!

Will Davis wehrt sich in cooler Weise gegen die Zumutungen und das Eindringen seiner Mutter in seine Privatsphäre! Seine coming out Geschichte hat er in „Meine Sicht der Dinge“, Gmünder 2013, 235 S. ISBN 978-3-86787-611-7 (OA engl. 2007) beschrieben. Obwohl auch er sich in Frauenzusammenhänge verwickelt (Schwester, beste Freundinnen). Seine Kraft erinnerte mich an die Schwulenbewegung.

Andrea Micus befasste sich 1992 mit dem Thema: „und auf einmal weisst du, dein Kind ist anders. Mütter von homosexuellen Söhnen und Töchtern berichten, Bastei-Lübbe, ISBN 978-3-404-60328-2.

Jan Stressenreuter führt uns mit einem seiner Romane in die Vergangenheit seiner Eltern. Nach dem Tod seiner Mutter findet er im Estrich Unterlagen über seinen abwesenden Vater, der eine Liebesbeziehung mit einem Mann hatte. (Mit seinen Augen, Querverlag 2008, 330 S.

Auch Alain Claude Sulzer erzählt in seinem Roman von einem Vater, der ursprünglich schwul war: Zur falschen Zeit, KiWi 2010, 230 S. ISBN 978-3-462-04393-8

Christiane Rüegg verpackt das Thema Homosexualität in eine mitreissende Geschichte; eine Gratwanderung zwischen Freundschaft und Liebe, das Leiden unter der Ignoranz und Realitätsferne der Mutter, immer wieder Rückblenden in die Kindheit und mit dem Schatten eines Selbstmordes des Freundes.  „Mein Freund Lukas“, Literareon Verlag 2012, 170 S. ISBN 978-3-8316-1590-2

Unter einer „anonymen Frauenbeichte“ veröffentlichte die NEUE POST am 20.03.1992 das Bekenntnis einer Mutter: „Er liebt auch Männer“.

Peter Thommen: Muttertag – Sohnesmütter (2011)