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Der schwule Buchladen im Jahr 2015

Montag, Januar 5th, 2015

Schwule Buchläden entstanden in den 70er Jahren aus der Notwendigkeit heraus, die wichtigen Informationen anzubieten, die Männer (und auch Frauen) benötigten, um mit der homosexuellen Liebe selbstverantwortlich umgehen zu können.

In den letzen Jahren sind zahlreiche dieser Buchläden eingegangen. Zudem ist der Versand an Online-Händler übergegangen, denn diese verfügen über günstigere Versandtarife, die sie mit der Post oder den Billig-Transporteuren aushandeln können. Ganz zu schweigen von den Wiederverkaufsrabatten. Autorenlesungen habe ich in den 90er Jahren im SchLeZ* organisiert, aber bald wieder damit aufgehört, weil die Nachfrage zu gering und die Kosten für mich zu hoch gewesen sind.

Generell sind die Jungs heute früher sexuell aktiv. Dabei wird noch gerne „übersehen“, dass schwule Jungs auch sehr früh erkennen, dass sie „anderssexuell“ sind. Trotz allem werden sie „geschützt“ durch Gesetze, die immer restriktiver werden. Die Begründungen sind moralisch-ökonomisch-diffus. Aus politischer Erfahrung wissen wir aber, dass Sexualinformationen, „sexuelle Darstellungen“, oder Beschreibungen gerade ihnen vorenthalten werden sollen!

Schliesslich sind auch neue (Migranten-)Generationen nachgewachsen, die das Lesen längerer Texte nicht gewohnt und damit überfordert sind. Schon immer habe ich festgestellt, dass Migranten ihr Schwulsein von ihrer Herkunft trennen. Sie lesen eigentlich nichts in ihrer Muttersprache zum Thema, das sie, wie auch immer, beschäftigt. In der Familie und Verwandtschaft sind sie „normal“. Nur im „Ausland“ können sie schwul sein. Das entspricht der Entwicklung von Jungs auf dem Land oder im Internat, die erst in grösseren Ortschaften oder Städten aus sich heraus kommen können.

Die Weitervermittlung „trockenen“ Wissens ist ungewohnt und schwieriger geworden. Junge Leute diskutieren nicht mehr über Bücher, sondern über Filme, DVDs und youtube…

Es gibt bereits Kunden, die ihre „alten“ DVDs abstossen, um Platz für neue zu machen. Solche Occ. Filme kann ich jetzt auch anbieten, zu reduzierten Preisen! Bereits gibt es im Internet Clubs, in denen sich Leute zum gemeinsamen Film anschauen zusammenfinden – und vielleicht auch mehr…

Regelmässig gemeinsam Filme schauen und sich anschliessend darüber unterhalten – oder auch nicht. Das wäre für mich schon attraktiv. Wenn ich mich so um frage, gehen auch die älteren Schwulen, die man sonst nicht sieht, schwule Filme anschauen. Aber sich darüber zu unterhalten, ist schon wieder eine ganz andere Sache!

Ab dem neuen Jahr führe ich den schwulen Buchladen als mein Hobby! Also nicht mehr aus purer Notwendigkeit oder als ökonomische Grundlage. Die sind schon bei der Jahrhundertwende weggefallen. Das Angebot habe ich aber mehr und mehr eingeschränkt. Wer es nutzen will, kann das weiterhin tun!

Ich führe eine queere Hand voll aktueller Bücher, die ich vor allem aus meiner Sicht als wichtig bewerte. (Belletristik, Sach- und Fotobücher > arcados.ch > Lagertitel)

Eine wechselnde Anzahl DVDs occasion, so wie sie gerade hereinschneien, wenn Schwestern „aufräumen“! Das können schwule Filme sein, oder auch Pornos. Ich nehme sie gerne kostenlos entgegen und verkaufe sie zu einem günstigen Preis! (arcados.ch > Lagertitel)

Ich biete meine Kenntnisse an beim Recherchieren von Büchern für Selbstvertiefungs- und andere wissenschaftliche Arbeiten! Ich kann vieles beschaffen im Antiquariat!

Ich helfe gerne beim Eingrenzen von Arbeiten für ein Thema, oder kann Vorschläge machen! KeineR muss immer gleich bei „Adam und Steve“ anfangen! 😉

Peter Thommen_65

Ich biete privaten und öffentlichen Institutionen (Schulen, Ausbildung) Hintergrundinformationen und Supervision an, betreffend Männerliebe und Homosexualität weltweit und in Geschichte und Politik. (Anfragen unter thommen@arcados.ch)

* Schwulen- und Lesben Zentrum

> kompletter Text!

der junge auf der heissen sohle

Samstag, Mai 14th, 2011

Hitze ist fast immer Ausdruck von Körperlichkeit und Sexualität. Dieser Roman wird geprägt von Sonnenhitze, Wut und Branntwein… obwohl die Sexualität eigentlich „abwesend“ ist. (In der Zeit der Prohibition in den USA – 1919-33)

Die Geschichte ist so heterosexuell wie irgend möglich. Aber die Hitze schlägt auf den jungen Mann ein wie Blitze, oder hält ihn in Leidenschaften gefangen. Daneben wirken seine sexuellen Kontakte mit Mädchen oder jungen Frauen schal und warm. Das männliche Feuer brennt IN ihm und das macht die Geschichte wiederum zu einer Auseinander-Setzung, die nach Einheit mit dem eigenen Geschlecht sucht. Wozu denn in die (weibliche) Ferne schweifen, wo doch das Gut(e) so nahe liegt?

„Dog Star“ von David Windham ist kein schwuler Roman. Und doch geht es um Männer und ihre Rolle, gegenüber der Mutter, den Geschwistern, „den Frauen“ und den anderen Männern in einer Kleinstadt der USA. Da wo alles seine Ordnung und seine Gewohnheiten hat. Blackie ist einer Besserungsanstalt entflohen, in welcher er einen nahen Freund durch dessen Selbstmord verlor. Er kehrt zurück in sein Nest, das nicht mehr sein Zuhause sein kann. Weder im Sex mit einem Mädchen, noch in Arbeit oder Nichtstun, kann er einen Sinn des Lebens finden. In dieser Enge verformt sich Männlichkeit zu Heldentum oder Tod. Sehr schön sind diese Elemente in ihrer Wirkung beschrieben, in einer Sprache, die einem das alles sehen, riechen und schmecken lässt!

„Seit er sich erinnern konnte, hatte er in Garagen und unter Häusern mit kleinen Mädchen gespielt. Es war ihm nie in den Sinn gekommen, dass Liebe damit zusammenhing. Er war erfreut und überrascht.

„Nachts im Park war er mit ihnen – sein Glück überall versuchend – so weit gegangen, wie er (jetzt) mit Mabel gegangen war. Es war ein Abenteuer, aber es war das Gegenteil von dem, was er unter Liebe verstand. Liebe war etwas Grosses und Starkes, ohne jede Verbindung zu Handlungen, die vertraut waren und sichtbar, und einen Namen hatten. Liebe war ein Entkommen aus dem Alltag, nicht ein Teil davon.“

Er betrachtete Mabel, als hätte er sie nie zuvor gesehen, und liess seine Hände an ihrem zarten, festen Körper hinab gleiten, bevor er antwortete. Er glaubte es nicht wirklich, und doch machte es ihn unglaublich glücklich, Liebe auf das zu reduzieren, was da vor ihm stand, um angeschaut und von seinen Händen angefasst zu werden.

Ich liebe dich auch“, sagte er.“

Natürlich hatte er sowas nie zu einem Jungen gesagt. So treibt er sich also in der Stadt, unter den Jungs, den Ganoven und der Familie herum, die Stärke von Whitey suchend, die er durch dessen Selbstmord verloren und die er offenbar in einem Vater nie hatte. Sich auf Spiele einlassend, die ihm Ansehen, Respekt oder gar Geld bringen sollen.

Blackie durchlebt das, was Schwule nie erleben wollen und zieht trotzdem am Ende die Konsequenz da, wo Schwule erst mühsam anfangen müssen, mit „heterolike“ und „straight-acting“. ..

Ein Buch also, aus schon historischen Zeiten, aber mit der Macht des Heterrors, der Jungs bis heute bis in den Tod treiben kann.  

Peter Thommen (61)

Donald Windham: Dog Star *, Lilienfeld Verlag 2010, 220 S.  CHF ca. 26.–

* vom Hundsstern am Himmel hergeleitet

Das Buch ist auch im gay-mega-store Basel zu haben.

Eine Besprechung von Zwei Menschen folgt!

Lieber Sacha Sperling!

Sonntag, April 10th, 2011

Eigentlich heisst Du ganz anders, aber das macht nichts. Es ist Dir sowieso egal, mit welchem Namen man Dich anspricht. Hauptsache, Du hast genug Shuger, um Dir die nächste Linie rein zu ziehen. Oder eines der Mädchen. Ich kann mir vorstellen, dass Du – mal auf den Geschmack gekommen – wohl auch mit achtzehn oder zwanzig Jahren nicht so schnell von diesen Gören loskommen kannst.

Ich habe mir die Kritiken der Heteros kurz durchgesehen – am Computer zuhause im Internet. Die übertreffen sich gegenseitig im Lob über Deinen Text. Skandal ist nur der Vorname, der dauernd zitiert wird. Ich denke, Du hast es den Heteros mal ordentlich gezeigt, wie werdende Männer mit minderjährigen Mädchen Sex machen („flach legen“), die knapp über dem Schutzalter, oder meistens auch drunter sind.

Beim Homosex hast Du Dich vorsichtigerweise an einen Gleichaltrigen gehalten. So kann keineR „Pädophilie – Pädophilie“ schreien und Dich um Deinen Ruf bringen, den Du noch gar nicht hast. Als Schwuler frage ich mich nur, ob die LeserInnen, die Deine Abenteuer lesen und so toll finden, vielleicht auch „pädophil“ sind. Also, ich bin es trotz Deiner literarischen Ambitionen nicht geworden.

Doch lass uns konkret werden! Du hast einen blöden Vater und eine Tussi-Mutter, die Dich sogar auffordert, Geld aus ihrer Tasche zu nehmen. Die Schule interessiert Dich eigentlich nicht und auf den Parties der Geld-Gesellschaft langweilst Du Dich nur – mit Not kriegst Du einen Kondom in die Hände, um irgendein Girl zu beeindrucken. Stiefgeschwister magst Du auch nicht besonders. Da kommt Dir der Augustin gerade recht. Zusammen macht vieles mehr Spass, nicht nur das wixen. Man merkt, dass Du in Deiner Jugend nur wenig Sozialkontakte gehabt hast und diese vor allem innerhalb Deiner Gesellschaftsschicht. So quasi „inzestuös“. Das lag wohl auch am Verhältnis zu Deiner Mutter, die eher als Liebhaberin rüberkommt, die ihrem Macker alles durchgehen lässt und sich dann beim Selben ausweint, wie schmerzlich das alles sei. Das tun viele Mütter dann – bei ihren Söhnen…

Als Schwuler habe ich so meine Vorstellungen vom Verliebtsein und den Gefühlen zwischen Männern. Dein Augustin ist sicher sehr nett und ein treuer Verbündeter Eurer Abenteuer. Aber mehr liegt da nicht drin. Gelinde gesagt, Du hast null Ahnung von Männerliebe und Deine Kenntnisse über den schwulen Sex, sind pubertäre Wunschträume. Aber auch Deine Erfolge bei den Mädchen möchte ich im Namen der Heteros anzweifeln. Gut, welcher Hetero hat eine Ahnung von der Psyche, oder gar dem Körper eines Mädchens? Aber dass Du keine Ahnung von Männern hast, erstaunt mich dann doch sehr. Da habe ich mit Heteros schon mehr erlebt! Ich denke, Du hast wohl Dein Männerpaar nicht bewusst aufs Ficken verzichten lassen. Das waren eher Deine unbewussten Ängste um Dein heterosexuelles Renommé. Vielleicht würdest Du minderjährige Mädchen anders flachlegen, wenn Du auch mal selber flachgelegen wärest – nicht nur um Dir einen blasen zu lassen.

Ich will offen zugeben, dass ich als eingefleischter Schwuler weder mit Deinen Drogen, noch mit Deinen hetera Zicken etwas anfangen konnte. Weder mit den Schülerinnen, noch mit der Lehrerin. Aber etwas habe ich bestimmt gelernt: Schon beim Alkohol werden viele Heteromacker sehr viel zugänglicher, als sie jemals zugeben würden. Da haben sich Generationen von denen schnell am Riemen gerissen – und es dann vergessen. Auch ohne geldgestopfte Eltern, Tabletten und Schnee…

Ja, Deine Geschichte erinnert mich sehr an meine frühere Schulzeit. Ich hatte auch mal einen weiblichen Schulschatz, aber interessiert haben mich mehr die Schwänze der Schulkollegen unter der Dusche nach dem Turnen. Ich musste nie mit einer SM per Cellphone Schluss machen. Ich konnte höchstens den einen oder anderen davon mal zum wixen verleiten. Und von den Schul-Lagern und ihren sexuellen Eskapaden habe ich immer nur gehört, aber nie selber so was erlebt.

Zusammenfassend könnte man sagen, dass sich in Deinem Buch zwei Heteros mal mit Homosexualität versuchen, aber daran scheitern, weil sie ja die Drogen geiler finden. Sie werden sich weiterhin mit Mädchen langweilen. Nachdem Du weder in der Familie, noch in der Schule wirklich geliebt wurdest, hast Du das auch beim Augustin nicht gefunden. Ah! Hast Du vielleicht zufällig den Film Brokeback Mountain gesehen? Ich zwar auch nicht, aber man sagt, die Sexualität zwischen jenen Männern sei da eigentlich gar nicht vorgekommen, nur die Liebe. Tja, Heteros eben, brechen oft zu früh vor dem Orgasmus, äh der Liebe ihrer Partner das Ganze ab. Ich weiss gar nicht mehr, ob der Augustin schneller gekommen ist als Du, oder ob Ihr auch mal gemeinsam ejakuliert habt.

Jedenfalls pädophil ist Dein Buch sicher nicht, auch kein Schwulenporno. Du kannst es also getrost jedem Hetero verkaufen und Deine Lesungen vor Publikum werden vor allem mit den Drogen beeindrucken, so dass die Homosexualität für die meisten kein Problem darstellt.

Tja, das war’s dann schon. Für Nachhilfeunterricht bin ich nicht zuständig. Aber vielleicht hast Du einfach nicht die richtigen Homepages und Foren im Internet gefunden, um zu recherchieren. Das erinnert mich an Profile, in welchen steht: „Anfänger sucht Anfänger, um gemeinsam Erfahrungen zu machen. Aber weisst Du, diese Methode mag zwar romantisch sein, bringts aber nicht wirklich im Leben! Und jetzt bist Du ja bald über Dein Buch hinausgewachsen und Mann geworden. Entweder hörst Du auf mit schreiben, oder Du versuchst es wirklich mal mit einem Schwulen!

Herzlich, Dein Peter Thommen (61)

P.S. hetero Kritiken: „jede Menge Sex“ ? ahem: gähn!

Sacha Sperling: Ich dich auch nicht, Piper 2011, 224 S. € 17.95, ca. CH 25.-

weitere schwule Kritiken:

„Sacha lernt Augustin kennen, gehört dadurch zufällig zu den Coolen, zieht mit ihm um die Häuser und durch die Clubs, experimentiert mit Speed und Mädchen. Doch Sacha verliebt sich in seinen Kumpel, hoffnungslos, dieser spielt zwar nur mit ihm. Wie hier das Lebensgefühl zwischen übermütigen Träumen und stumpfer Illusionsleere fast filmisch erzählt wird, ist unbedingt lesenswert. „Die Sehnsucht nach Apokalypse und Popcorn“, so bringt es Sacha in einem der vielen lakonisch-treffenden Sätze auf den Punkt. Was in einzelnen Szenen brillant und unvergesslich ist, lässt einen als Genzes dann aber doch etwas unbefriedigt zurück. Vielleicht ein allzu arrangierter Skandal-Voyeurismus. Dass Schriftsteller und Hauptdarsteller den selben Vornahmen tragen, ist nämlich auch nur ein raffiniertes Spiel, so trendy wie belanglos. Sacha Sperling heisst eigentlich Yasha Kurys, ist der Sohn eines erfolgreichen Künstlerpaars. So schreibt man heute einen Bestseller. Einen, der seinen Erfolg verdient hat.“ (René Gerber im Cruiser Mai, 2011, S. 9)

der schwule lebt nicht nur vom tag allein!

Mittwoch, Mai 5th, 2010

Die „Grosse“ hat die kleinen „Schwestern“ schon immer fasziniert. Die Stadt hat etwas lebensmagisches für schwule Männer vom Land. Seine grosse Schwester guckt dem Autor auch die ganze Zeit über die Schulter. Die Kindheit von Junghomos ist in einer grossen Stadt wie Zürich nicht so leicht abzuschütteln wie die Flasche für einen Geist.

Simon Froehling gibt uns mit „Lange Nächte Tag“ einen Erzähltext und einen scharfen Einblick in die Gedärme heutiger Leidenschaften zwischen jungen Männern. Die Erzählung ist verwirrend am Anfang, aber bald spielt es keine Rolle mehr, ob er vom Einen, oder aus der Sicht seines Liebhabers schreibt, oder ob er über beide nur phantasiert hat. Die Leidenschaft ist das Lebenselixier des Schwulseins und muss immer mit Reue bezahlt werden. Das Wahre, der grosse Mann fürs Leben, den wir schon als Kind erahnt haben, sowie Auftritte in Szenen – virtuell und real – um uns zu schmeicheln, oder Andere emotional abzustrafen, gehören wohl seit Oscar Wilde zu den schwulen Attitüden. Am Schluss deckt der morbide Schnee wieder alles zu und verzeiht grosszügig, wie in den Kinderbüchern auch.

Patrick und Jiri, die beiden Protagonisten werden aus ihrem Leben gerissen, indem sie sich gegenseitig ein Universum eröffnen wollen, aber nicht können. Schon den Schlüssel hingelegt, noch nicht emotional abgefahren und schon miteinander verkettet. Noch halb in den blauen Seiten und doch schon mit ihm beim Konzert von Nachbar Albert im sonnengefluteten Hinterhof.

Wer sich auf Simons Text einlässt, der wird in eine Spalte blicken, wo Sperma, Speichel und Alkohol sich mischen und Erinnerungsfetzen über den Himmel ziehen. Escher-Wyss-Platz. Die Bar mit dem gläsernen Auge. Das Grossraumbüro mit den Computern. Romantische Winkel in der Altstadt. Simon verwebt es gekonnt. Da drin werkelt das Schicksal im Auftrag Gottes – oder umgekehrt? Oder spielen Schwule vielleicht gar selber lieber Master of the Gay Universe, auch wenn sie immer die kleinen Würstchen bleiben?

Als ich Froehlings Text las, tauchten in mir Bilder aus den Büchern anderer Autoren wieder auf. Genet und seine Zeit mit Gaunern, Randexistenzen und Gefängnissen. Guido Bachmann mit seiner Jungenliebe in Bern, die seltsam entrückt in den Leidenschaften, sich auf Mythen der Urzeit berief und dann Martin Franks „Ter Fögi isch e Souhung“ (Der F. ist ein Kinderverderber) mit seiner Band-Szene und den 70er Jahren.

Schon Genet war ein Medium sadomasochistischer Szenen und Leidenschaften. Bachmann entging dem in den 60ern ebenso wenig, wie Frank in den 70ern. Dieser Sadomasochismus in vielen Formen begleitet die neuere Literatur über Männerbeziehungen bis heute.

Haben wir nichts „gelernt“? Sind wir immer noch hetero-verkettet in hetero Leidenschaften? Auch als Männer? Auch ich bin natürlich nicht darum herumgekommen. Aber irgendwann mal hatte ich genug davon. Aus dem Unverständnis von Gilgamesch ist ein sich wehren gegen solche Symbiosen geworden, das sich mit 35 Jahren zum letzten Mal in mir aufbäumte. Meine letzte grosse Liebe, die ich in einer Art Tagebuch verarbeitete.

Wo bleibt die Leichtigkeit einer Männerliebe bis heute? Ist sie in den Pornos verschwunden? Da wo alles stimmt? Oder ist sie noch immer zu entdecken?

Für mich schrieb Simon eine faszinierende Erzählung aus seinem Leben. Aus dem schwulen Leben von Zürich sicher auch. Gerne würde ich mehr erfahren! Auch von anderen Autoren.

Hinter und vor den blauen Seiten hat es viel Word und Bites. An die Tasten Jungs!

Peter Thommen, schwuler Buchhändler (60), Basel

Simon Froehling: Lange Nächte Tag, Bilgerverlag 2011, 196 S. CHF 34.-